Sabine Tscharntke Blog über Lebenserfahrung

Freue dich auf 15 Minuten inspirierendes, zur Reflexion einladendes Lesevergnügen

Dein Leseinhalt:

  • Einführung
  • Du musst nicht immer die Beste sein.
  • Veränderung gehört zum Leben.
  • Stabilität kommt nicht von außen – sie ist in Dir.
  • Stehe zu deinen Werten, auch wenn dies Verlust bedeutet
  • Hab den Mut, deine Träume zu leben.
  • Erkunde und erfahre, worin dein Seelenfrieden liegt

Durch Zufall – falls es den überhaupt gibt – bin ich bei Instagram über die spannende Frage gestolpert, was wir heute über uns selbst und das Leben wissen, dass wir gerne schon viel früher gewusst hätten.

Die Bloggerin Birgit Ising hat zu einer Blogparade zu diesem Thema aufgerufen.

Sie hat damit eine Frage aufgeworfen, die in mir sofort ein Feuerwerk an Gedanken ausgelöst hat.
Natürlich möchte ich diese Gedanken mit euch teilen.

Vielleicht löst diese Frage auch etwas in dir aus?

Schreib mir gerne in den Kommentaren, was dir dazu einfällt.

Wenn ich auf mein bisheriges Leben zurückblicke, kann ich ehrlich sagen: Es war spannend, abwechslungsreich, lehrreich und geprägt von vielen Veränderungen.
Gleichzeitig habe ich jede Lebensphase mit ganzem Herzen gelebt – ob während meiner Zeit in der Bank, beim Aufbau meines Kinderhauses in Nepal oder heute beim Aufbau meines
Yoga- und Coaching-Business in Spanien.

Selbst wenn sich manches im Nachhinein als nicht mehr richtig für mich herausgestellt hat, finde ich heute, dass alles so wie es war wichtig war– für mich und meinen Lebensweg. Ich stehe zu allem, was ich mit Begeisterung, Hingabe und Engagement getan habe.
Natürlich denke ich manchmal, dass ich die eine oder andere Situation früher hätte loslassen dürfen.

Doch sind es am Ende nicht gerade die Umwege, Veränderungen, Erfolge, Enttäuschungen, Tränen und das Lachen, die uns zu dem Menschen machen, der wir heute sind?

Ganz ähnlich beschreibt es Hermann Hesse in seinem wunderbaren Roman Siddhartha.
Manchmal brauchen wir genau diese Umwege des Lebens, damit wir an den Punkt gelangen,
an dem sich plötzlich alles stimmig anfühlt. Und wenn sich dieses Gefühl später wieder verändert,
dann bedeutet das lediglich, dass unser Weg noch weitere Erfahrungen und Entwicklungen für uns bereithält. Auch das gehört zum Leben.

Wenn ich heute dem vierjährigen Mädchen, das auf einem alten Foto in Budapest so fröhlich und unbeschwert in die Kamera lacht, etwas mit auf den Weg geben könnte, dann gäbe es tatsächlich einiges, dass ich ihr sagen würde.

Nicht, um ihr ihre eigenen Erfahrungen zu ersparen – denn genau die machen uns zu dem Menschen, der wir werden. Sondern um ihr den einen oder anderen Abschnitt ihres Lebens ein wenig leichter zu machen.

Los geht`s – hier sind meine sechs Lebensweisheiten
für die vierjährige Sabine:

🌻 Du musst nicht immer die Beste sein.

🌻 Veränderung gehört zum Leben.

🌻 Stabilität kommt nicht von außen – sie ist in Dir.

🌻 Stehe zu deinen Werten, auch wenn dies Verlust bedeutet

🌻 Hab den Mut, deine Träume zu leben.

🌻 Erkunde und erfahre, worin dein Seelenfrieden liegt

1. Du musst nicht immer die Beste sein.

Es ist schon spannend, dass mir ausgerechnet dieser Satz als Erstes in den Sinn kam.
Offenbar hat mich dieses Thema mein Leben lang begleitet.

Ich höre heute noch meine Tante Martha nach jeder Zeugnisausgabe sagen: „Sabine war wieder Klassenbeste.“ Dasselbe sagte sie allerdings über viele meiner Cousins und Cousinen.
Leistung hatte in unserer Familie einen hohen Stellenwert.

Meine Eltern haben diesen Anspruch nie offen formuliert. Und doch war er für mich immer da – irgendwie fühlbar – besonders während meiner Schulzeit. Ich habe ihn gespürt, verinnerlicht und mir zu eigen gemacht. Entsprechend ehrgeizig war ich: beim Lernen, im Sport und beim Flötenspiel.

Und tatsächlich war ich oft die Beste.

Was dabei jedoch verloren ging, war etwas anderes: Das Spielerische. Die Leichtigkeit.
Einfach mal etwas auszuprobieren, ohne zu wissen, ob es gelingt.
Das Unbekümmerte, das Verrückte, das Kindsein mit Flausen im Kopf und dem Mut,
auch mal Unsinn zu machen.

Ich war eher die brave Tochter, auf die man stolz sein konnte. Die gute Schülerin.

Aber viel seltener einfach nur: Ich.

Vielleicht habe ich gerade deshalb die drei Wochen Sommerferien im Kinderferienlager der DDR so geliebt. Dort fühlte sich das Leben für mich frei an. Noch heute erinnere ich mich an die Streiche, das Lachen und den herrlichen Klamauk, den wir gemeinsam veranstaltet haben. Für ein paar Wochen musste ich nichts beweisen. Ich war Kind, später dann Jugendliche und habe das Ferienlager geliebt.

Heute ahne ich, woher dieser starke Leistungsanspruch kam.
Ich gehöre zur Generation der Kriegsenkel.
Seit ich mich – unter anderem durch das Buch von Sabine Bode – intensiver mit diesem Thema beschäftigt habe, verstehe ich vieles und sehe klarer.

Als Kriegsenkel wird von Sabine Bode die Generation bezeichnet, deren Großeltern im Krieg alles verloren haben. Sie hat viele Interviews geführt und letztendlich sind in der Generation der Kriegsenkel die Themen Leistung, Sicherheit, Stabilität, Suche nach Verwurzelung und innere Unsicherheit stark verankert.

Die Geschichte meines Vaters hat mich subkutan geprägt, obwohl ich sie nicht selbst erlebt habe. Seine Familie besaß in Schlesien viel, verlor durch Flucht und Vertreibung alles und musste in Thüringen als „verlauste Flüchtlinge“ noch einmal ganz von vorne beginnen. Sie mussten sich ihren Platz in der Dorfgemeinschaft hart erarbeiten und immer wieder beweisen, dass sie dazugehören.

Diese Haltung wurde nie ausgesprochen. Und doch wurde sie weitergegeben – leise, fast unbemerkt.
Ich denke, meinen Eltern war dies gar nicht bewusst.

Als ich 1990 meine Bankausbildung in Hessen begann, war die Wiedervereinigung noch frisch.
Als „Ossi“ wurde ich kritisch beäugt. Ich erinnere mich noch gut an den Moment, als ich mein DDR-Abiturzeugnis vorlegte und die Ausbildungsleiterin sagte: „Nun ja, in der DDR hatten ja alle nur Einsen.“

In diesem Augenblick war er sofort wieder da – dieser innere Antrieb, beweisen zu müssen, dass ich wirklich etwas kann. Und natürlich Wut, die im Versprechen an mich SELBST:
„Der werde ich zeigen, was ich kann…“ endete.

Am Ende der Ausbildung war ich Jahrgangsbeste und wurde sogar mit Foto in der
Wetterauer Zeitung vorgestellt.

Darauf waren meine Eltern und meine Tante Martha natürlich stolz. Aber vor allem war ich selbst stolz.
Ich hatte bewiesen, dass ich mir meine guten Noten im DDR-Abitur auch verdient habe.

Dieses Muster begleitete mich noch viele Jahre. Anerkennung schien für mich immer an Leistung gekoppelt zu sein. Gerade im Bankenbereich war das damals tatsächlich oft so.
Meine Karriere entwickelte sich erfolgreich, und ich schuf mir ein solides Fundament finanzieller Sicherheit.

Heute würde ich der kleinen Sabine etwas ganz anderes mit auf den Weg geben:

  • Sei ein bisschen gelassener.
  • Probiere mehr aus.
  • Hab keine Angst davor zu scheitern.
  • Denn Scheitern ist kein Zeichen von Schwäche, sondern eine Chance zu wachsen.

Vor allem aber würde ich ihr sagen, dass Selbstvertrauen nicht aus guten Noten, beruflichem Erfolg oder der Anerkennung anderer entsteht. Es wächst von innen. Es entsteht daraus, sich selbst anzunehmen – unabhängig davon, was man leistet.

Denn was in all den Jahren manchmal zu kurz kam, war: das Leben selbst.

Leben im Sinne von: Spontan sein. Verrückt sein. Unbeschwert sein. Dem Leben vertrauen.
Auch einmal keinen Plan haben, kein Ziel verfolgen und den Augenblick genießen.
Nicht so viel denken – einfach mehr SEIN.

2. Veränderung gehört zum Leben – Vertraue dem Lebensfluss.

Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, dann haben meine Eltern mir vor allem zwei Dinge vorgelebt: Beständigkeit und Fleiß.

Vielleicht gerade deshalb, weil die Familie meines Vaters eine so tiefgreifende Veränderung erleben musste. Flucht, Vertreibung, alles verlieren und sich ein neues Leben aufbauen – solche Erfahrungen hinterlassen Spuren, oft über Generationen hinweg.
Sicherheit, Verlässlichkeit und feste Strukturen bekamen dadurch einen hohen Stellenwert.

Meine Eltern arbeiteten jahrzehntelang beim selben Arbeitgeber, lebten in derselben Wohnung,
unser Alltag war geprägt von Ritualen und Gewohnheiten.
Das schenkte Halt und vermittelte das Gefühl von Sicherheit.

Doch tief in mir lebte schon immer ein anderer Anteil: der Entdeckergeist und der Rebell.

Zu Beginn meines Berufslebens wechselte ich zwar einige Male den Arbeitgeber und auch den Wohnort. Doch den ganz großen Schritt – die Bank hinter mir zu lassen – habe ich lange nicht gewagt.
Diesen Mut hatte ich erst nach 27 Jahren Bänker – Dasein.

Heute ist mir bewusst: Veränderung gehört zum Leben – ist Leben.

Was sich heute vollkommen richtig anfühlt, kann morgen schon nicht mehr zu uns passen.
Mit Anfang zwanzig träumte ich davon, mitten auf dem Münchner Stachus zu leben.
Mit vierzig sehnte ich mich nach einer einsamen Hütte in den Bergen und nach Stille.

Unsere Wünsche verändern sich, weil auch wir nicht stehenbleiben, sondern uns Selbst auch verändern. Und das ist gut so.

Veränderung hält uns lebendig. Sie fordert uns heraus. Sie wirft uns aus der Komfortzone. Sie erweitert unseren Horizont, macht uns beweglich und lässt uns wachsen.

Es gibt allerdings Veränderungen, die wir uns so niemals ausgesucht hätten.

Diese treffen uns unvorbereitet, reißen uns den Boden unter den Füßen weg und stellen unser Leben auf den Kopf.

Erst mit etwas Abstand erkennen wir manchmal den roten Faden. Plötzlich wird sichtbar, warum genau diese Erfahrung notwendig war, damit sich später eine neue Tür öffnen konnte. Dass manches, was sich damals wie ein Ende anfühlte, in Wirklichkeit der Anfang von etwas viel Größerem war.

Im Yoga gibt es dafür den Begriff Ishvara Pranidhana – das Vertrauen in das Höchste, das große Ganze, in der Bhagavadgita benannt als das Göttliche.

Ich würde es im 21.JH übersetzen als das Vertrauen in den Fluss des Lebens.
Als auch die Erkenntnis, dass wir nicht alles kontrollieren können und dass sich manches erst im Rückblick für uns erschließt. Wenn wir in der Lage sind das Kleine das uns geschieht im Kontext unseres großen ganzen Lebens zu sehen.

Vielleicht könnten wir manche schmerzhaften Veränderungen leichter annehmen, wenn wir diesem Lebensfluss, der Sicht auf Dinge im Rahmen eines größeren Ganzen etwas mehr vertrauen könnten.

Die Veränderungen, die wir selbst aktiv herbeiführen, erzählen wiederum eine andere Geschichte.
Sie zeigen, dass wir beginnen, auf uns selbst zu hören.
Dass wir erkennen, wenn etwas nicht mehr zu uns passt, und den Mut finden, neue Wege einzuschlagen.

Manchmal dürfen wir uns eingestehen, dass etwas seine Zeit hatte.
Dass sich unsere Werte verändern, unsere Prioritäten verschieben und unsere Sehnsucht
nach einem erfüllten Leben neue Antworten und Wege sucht.

Der kleinen Sabine würde ich deshalb sagen:

Hab keine Angst vor Veränderung. Denk an die wunderschöne tibetische Geschichte
und mach dir immer wieder im Moment der Veränderung bewusst:
„Ist es Unglück oder Glück? Man weiß es nicht, man weiß es jetzt noch nicht“

In Veränderungen können Chancen stecken, die du jetzt noch nicht siehst.
Nimm dir Zeit für deine Tränen, deine Traurigkeit, aber heb den Kopf wieder an und schau ins Leben.

Vertraue darauf, dass das Leben dich trägt, auch wenn du den nächsten Schritt noch nicht sehen kannst.

3. Stabilität kommt nicht von außen – sie ist in dir.

Diese Erkenntnis hängt für mich eng mit den beiden vorherigen Themen zusammen:
mit dem Drang, Leistung erbringen zu müssen, und mit dem Mut, Veränderungen zuzulassen.

Viele Jahre glaubte ich, Stabilität im Außen zu finden.

Ein sicherer Arbeitsplatz bei der Bank, ein regelmäßiges Einkommen, finanzielle Unabhängigkeit –
all das gab mir das Gefühl, auf festem Boden zu stehen.

2001 habe ich zum ersten Mal erlebt, wie für einige Kollegen diese Stabilität über Nacht wegbrach.

Heute ist mir bewusst, dass diese Sicherheit von Arbeitsplatz, Mietvertrag und Einkommen
nur „scheinbar“ ist.

Es garantiert dir nicht, dass das Leben immer so weitergeht wie bisher.

Erst im Rückblick erkenne ich, dass sich mein eigentliches Fundament für Sicherheit an einem ganz anderen Ort gebildet hat.

Es war mein erster Kontakt mit dem Buddhismus in Thailand, als ich diese unerschütterliche Zuversicht
in den Lauf des Lebens bei den Menschen dort wahrnehmen durfte.

Die endgültige Manifestierung eines Fundamentes der inneren Sicherheit erfolgte für mich im Himalaya,
in Nepal.

Meine Zeit im Himalaya hat mir drei Dinge bewusst gemacht, die mein Leben nachhaltig
verändert haben:

🙏 Ich bin in der Natur am glücklichsten.
🙏 Ich brauche viel weniger, als ich lange geglaubt habe.
🙏 Ich kann mir selbst vertrauen.

Der Aufbau meines Kinderhauses in Nepal hat mir gezeigt, was möglich ist, wenn ich dem Klang meines Herzens folge.

Diese Erfahrungen haben etwas in mir verändert. Zum ersten Mal entstand ein Gefühl von Sicherheit,
das nicht mehr von meinem Beruf abhängig war.

Nach 6 Jahren intensiver Aufenthalte in Nepal und leider einiger Krankheiten konnte ich den vermeintlichen Stabilitätsanker Bank loslassen und springen – hinein in ein neues, buntes und freies Leben, das sich viel mehr nach mir selbst anfühlt.

Der kleinen Sabine würde ich deshalb sagen:

Suche deine Stabilität nicht im Außen. Nicht in einem Beruf, nicht auf deinem Konto und nicht in der Anerkennung anderer Menschen.

Das einzige Fundament, das dich wirklich durchs Leben trägt, bist du selbst.

Je mehr Vertrauen du in dich entwickelst, desto weniger Angst wirst du vor Veränderungen haben.
Denn dann weißt du: Egal, was das Leben für dich bereithält – du wirst einen Weg finden.

Und vielleicht sind das am Ende die wichtigsten Fragen, die wir uns immer wieder stellen dürfen:

  • Was gibt dir wirklich Halt?
  • Und worauf vertraust du, wenn alles andere ins Wanken gerät?

4. Stehe zu deinen Werten, auch wenn dies Verlust bedeutet

Ich finde, dies ist ein ganz spannendes Thema.

Wie oft passen wir uns an, halten unsere Meinung zurück oder schweigen, weil wir Angst haben, anzuecken? Weil wir befürchten, aus einer Gruppe ausgeschlossen zu werden, berufliche Nachteile zu haben oder die Anerkennung anderer zu verlieren?

Und wie oft tun wir Dinge, nur weil sie alle tun – obwohl wir tief in unserem Inneren spüren, dass sie eigentlich nicht zu uns passen?

Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, stelle ich fest, dass ich meinen Werten meistens treu geblieben bin. Das war nicht immer der bequemste Weg. Manchmal hat er mich Freundschaften, berufliche Chancen oder ein harmonisches Miteinander gekostet.
Gerade in der Bank bin ich mit meiner kundenorientierten Sichtweise häufig angeeckt.

Ich weiß, dass ich streitbar sein kann. Wenn ich etwas als ungerecht empfinde oder überzeugt bin,
dass etwas nicht richtig ist, fällt es mir schwer zu schweigen.

Schon während meiner Schulzeit zeigte sich das.

Ich erinnere mich noch gut an eine politische Diskussion kurz vor dem Abitur.

Ich hatte eine Position vertreten, die nicht dem offiziellen DDR-Narrativ entsprach.
Danach sagte unser Schuldirektor Ernst Jäckel zu mir:

„Sabine, machen Sie weiter so. Genau solche jungen Menschen wie Sie braucht unser Land. Aber überlegen Sie sich vorher immer Ihre Argumente. So wie gerade eben.“

Dieser Satz hat mich bis heute begleitet.

Nicht nur, weil er mich darin bestärkte, eine eigene Meinung zu haben. Sondern auch, weil er mich daran erinnerte, dass Haltung und Respekt eng miteinander verknüpft sind. Für seine Werte einzustehen, bedeutet nicht laut oder rechthaberisch zu sein. Es bedeutet, sich mit seinen Überzeugungen auseinanderzusetzen und Verantwortung für das zu übernehmen, was man sagt und tut.

Natürlich gab es Momente, in denen ich mich gefragt habe, ob ich mich nicht lieber hätte zurückhalten sollen. Ob ich mal wieder ein bisschen zu impulsiv unterwegs war – fast wie Don Quijote im Kampf gegen die Windmühlen.

Heute lautet meine Antwort: Nein.

Denn jedes Mal, wenn ich meinen Werten treu geblieben bin, habe ich etwas gewonnen – selbst dann, wenn ich im Außen zunächst etwas verloren habe.

Ich habe Klarheit gewonnen. Selbstachtung. Und die Gewissheit, mich nicht gegen mich selbst entschieden zu haben.

Genau das würde ich der kleinen Sabine mit auf den Weg geben.

  • Hab den Mut, zu deinen Werten zu stehen.
  • Nicht jeder wird deine Haltung verstehen oder teilen.
  • Aber am Ende musst du jeden Tag mit dem Menschen im Spiegel leben.
  • Und es gibt kaum ein schöneres Gefühl, als sich selbst dabei ehrlich in die Augen schauen zu können.

5. Lebe deine Träume.

Im Jahr 2009 saß ich im Coaching bei Angelika Gulder.
Irgendwann schaute sie mich an und sagte sinngemäß:

„Fangen Sie endlich an, IHRE Lebensträume zu leben.“

Dieser Satz traf mich mitten ins Herz und hat mich aufgewühlt.

Über viele Jahre hatte ich meine tiefsten Träume sorgfältig weggeschlossen.

Nicht, weil sie verschwunden waren, sondern weil sie scheinbar keinen Platz in meinem Leben hatten.
Sie passten nicht zu meiner beruflichen Laufbahn, nicht zu dem Bild, das ich von Sicherheit hatte,
und auch nicht zu dem Weg, den ich bis dahin eingeschlagen hatte.

Doch Träume lassen sich nicht für immer einsperren.

Irgendwann ist die Schublade einfach zu voll. Man kann sie noch so fest zudrücken – sie springt immer wieder auf und zeigt uns, was wirklich darin ist.

Wenn ich heute auf mein Leben zurückblicke, dann gehört dieses jahrelange Wegdrücken meiner Träume zu den Dingen, die ich gerne anders gemacht hätte.

Und gleichzeitig weiß ich: Auch das war Teil meines Weges.
Ich musste erst all diese Erfahrungen machen, um den Mut für den nächsten Schritt zu finden.

Das Coaching im Jahr 2009 wurde zu einem echten Wendepunkt.

Ich begann vorsichtig. Zögerlich. Mit kleinen Schritten.

Doch irgendwann setzte sich etwas in Bewegung, das ich nicht mehr aufhalten konnte und wollte.
Etwas in mir wusste plötzlich ganz klar: Es gibt kein Zurück mehr.

Die Veränderungen kamen nicht über Nacht. Anfangs waren sie kaum sichtbar – wie ein einzelner Wassertropfen, der sich langsam seinen Weg durch den Felsen bahnt.
Doch aus diesem kleinen Tropfen wurde nach und nach ein Fluss.
Und irgendwann war seine Kraft so groß, dass er sich nicht mehr aufhalten ließ.

Wenn ich heute auf mein Leben blicke, erfüllt mich tiefe Dankbarkeit.

Ich lebe in Spanien, umgeben von einer Natur, die mich jeden Tag aufs Neue inspiriert.
Ich unterrichte Yoga, begleite Menschen auf ihrem Weg zur Yogalehrerin, leite Yogaretreats, schreibe für eine Yogazeitung und darf ab Herbst wieder bei einer wunderschönen Reise Gäste in Nepal führen.

All das ist nicht zufällig entstanden.

Es begann in dem Moment, als ich mir erlaubte, meinen Träumen zuzuhören und ihnen Schritt für Schritt zu folgen.

Damit begann ich gleichzeitig, auch zu mir selbst und meinen eigenen Bedürfnissen zu stehen.

Heute lebe ich zudem in einer Partnerschaft, die von gegenseitigem Vertrauen, Liebe,
Freiheit und Respekt geprägt ist. Für mich fühlt sich all das wie ein großes Geschenk des Lebens an.

Der kleinen Sabine würde ich deshalb sagen:

Warte nicht so lange auf den richtigen Zeitpunkt. Deine Träume wurden dir nicht gegeben, damit du sie versteckst. Sie zeigen dir die Richtung, in die dein Herz gehen möchte.

Und wenn ich eines gelernt habe, dann dieses:

Es ist nie zu spät, seine Träume zu leben.

Zum Schluss fällt mir ein Satz meines nepalesischen Freundes Sudama Karki ein, mit dem ich das Kinderhaus bauen durfte. Er hat einmal zu mir gesagt:

❤️ „Was man mit Herz macht, da gibt es keine Grenzen.“ ❤️

Ich glaube, darin liegt viel Wahrheit.

Und nun die für mich heute wohl wichtigste Erkenntnis:

6. Erkunde und erfahre, worin dein Seelenfrieden liegt.

Wenn mich heute jemand fragen würde, welche Erkenntnisse ich der kleinen Sabine am
liebsten mit auf den Weg geben würde, dann wären es diese.

  • Finde heraus, was DICH wirklich glücklich macht.
  • Finde heraus, was DEIN Herz vor Freude hüpfen lässt.

Nicht das, was andere von dir erwarten und nicht das, was gesellschaftlich als Erfolg gilt.

Frage dich immer wieder:

❤️ Was macht mich wirklich glücklich?
❤️ In welchen Momenten fühle ich mich vollkommen lebendig?
❤️ Wo habe ich das Gefühl, ganz bei mir zu sein?
❤️ Wann brauche ich weder Smartphone noch Fernseher, weil das Leben selbst mich erfüllt?
❤️ Was treibt mich von innen heraus an?
❤️ Welche Werte sind mir wirklich wichtig?

Eine Übung, die ich sehr liebe, ist diese:

Stell dir drei perfekte Tage deines Lebens vor:

  • Wie beginnen sie am Morgen?
  • Was tust du tagsüber?
  • Mit welchen Menschen verbringst du deine Zeit?
  • Und wie gehst du am Abend mit einem zufriedenen Lächeln schlafen?

Die Antworten auf diese Fragen erzählen oft viel mehr über unser wahres Leben als jeder Lebenslauf.

Genauso wichtig ist es allerdings, diese Bilder mit der eigenen Wirklichkeit abzugleichen – ehrlich, ohne Ausreden und ohne Selbsttäuschung.

Und wenn dabei deutliche Unterschiede sichtbar werden, dann dürfen wir den Mut haben,
etwas zu verändern.

Denn niemand muss ein Leben führen, das sich dauerhaft nicht richtig anfühlt.

Ja, wir tragen Verantwortung. Ja, wir haben Verpflichtungen.
Doch gleichzeitig leben wir in einer Gesellschaft, in der viele von uns das große Privileg haben,
über das Leben nachdenken zu können – und nicht ums Überleben kämpfen zu müssen.

Deshalb lohnt es sich, diese Freiheit zu nutzen.

Und sich immer wieder die vielleicht wichtigste aller Fragen zu stellen:

Worin liegt mein Seelenfrieden?

Ich durfte für mich eine Antwort finden.

Ich habe einen Ort gefunden, an dem ich mich tief verwurzelt fühle.
Ich darf einer Tätigkeit nachgehen, die mich erfüllt.
Und ich bin unendlich dankbar ein Leben führen zu dürfen, das sich stimmig anfühlt.

Gleichzeitig weiß ich, dass nichts im Leben für immer bleibt.

Gerade deshalb schätze ich jeden einzelnen Tag, den ich in diesem inneren Frieden verbringen darf.

Jeder Mensch muss seinen eigenen Weg gehen und seine eigenen Erfahrungen machen.
So sehr wir unsere Kinder auch lieben – wir können ihnen ihre Erfahrungen nicht abnehmen.
Wir können sie begleiten, ermutigen und ihnen Vertrauen schenken.
Gehen müssen sie ihren Weg jedoch selbst.

Im Buch Nachtzug nach Lissabon heißt es:

„Von tausend Erfahrungen, die wir machen, bringen wir höchstens eine zur Sprache, und auch diese
bloß zufällig und ohne die Sorgfalt, die sie verdiente.
Unter all den stummen Erfahrungen sind diejenigen verborgen, die unserem Leben unbemerkt seine Form, seine Färbung und seine Melodie geben.“

Ich glaube, genau darin liegt ein Teil der Schönheit des Lebens.

Es sind nicht die großen Pläne oder perfekten Entscheidungen, die uns formen.
Es sind die vielen kleinen Erfahrungen, die Umwege, die Begegnungen und die Momente, in denen wir unserem Herzen gefolgt sind.

Wenn ich dem kleinen, frech lächelnden Mädchen auf dem Foto heute noch einen letzten Satz mitgeben dürfte, dann wären es diese:

🍀 Geh deinen Weg.
🍀 Geh ihn aus deinem Herzen heraus.
🍀 Vertraue deiner inneren Stimme.
🍀 Und lass die Stimme deines Herzens immer ein wenig lauter sein als die deines Verstandes.

Namaste
Deine Sabine

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Sabine Tscharntke

Sabine Tscharntke Yoga macht gluecklich

Namaste,

ich bin Sabine – Yogalehrerin und Sportlerin mit viel Herz und Leidenschaft.

In meinem Zuhause, dem wunderschönen Hinterland von Valencia, finde ich täglich Inspiration: in der Natur, in der faszinierenden Ruhe, im kleinen Café und beim Beobachten des Lebens.

Reisen zwischen Europa, Thailand und Nepal haben mich gelehrt, meinem Herzen zu folgen – so habe ich dem Banking Adieu gesagt, in Nepal ein Kinderhaus aufgebaut und in Spanien meine Herzensheimat gefunden.

In meinen Beiträgen teile ich Gedanken, Erfahrungen und Geschichten aus dem Himalaya, die Mut machen, inspirieren und dein Herz zum Klingen bringen. 🕉️

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  1. Birgit Elke Ising 31. Juli 2026 at 10:10- antworten

    Liebe Sabine,

    was für ein berührender und ehrlicher Text! Man spürt in jeder Zeile, wie viel Reflexion und Mut in deinem Weg steckt – vom Leistungsdenken hin zu echtem Vertrauen in dich selbst.

    Besonders der Gedanke, dass Stabilität von innen kommt und nicht von äußeren Sicherheiten, ist etwas, das ich mitnehme.

    Superspannend finde ich übrigens, dass du wie ich zunächst in einer Bank gearbeitet hast – da haben wir einen ganz ähnlichen Weg!

    Danke, dass du so offen von deinen Umwegen und Erkenntnissen erzählst – das macht Mut, dem eigenen Herzen zu folgen.

    Herzliche Grüße
    Birgit

  2. Sabine Tscharntke 31. Juli 2026 at 13:15- antworten

    Liebe Birgit, deine Idee zu dieser Blogparade hat mich wirklich sofort im tiefsten Inneren angesprochen und inspiriert.

    Danke, dass du diese ins Leben gerufen hast.

    Im Moment treffe ich online einige EX Banker, die mit 50Plus den Absprung und Sprung in Neues gewagt haben und denen vorher die Bank in welcher Form auch immer Sicherheit gegeben hat.
    Auch spannend.

    Herzliche Grüße
    Sabine

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