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mit inspirierenden Gedanken rund ums NAMASTE
Namaste – „Das Göttliche in mir grüßt das Göttliche in dir.“
So lautet die Übersetzung aus dem Sanskrit.
In Nepal begegnet dir Namaste auf Schritt und Tritt.
Es ist dort die klassische Form der Begrüßung und weit mehr als nur ein höfliches Wort.
Auch in meinen Yogastunden nutze ich Namaste zur Begrüßung und Verabschiedung meiner Schüler. Begleitet wird das gesprochene Wort von einer Geste: Die Handflächen werden auf Brusthöhe vor dem Herzen aneinandergelegt – eine Haltung, die den Gruß noch einmal unterstreicht und vertieft.
Diese Geste der zusammengelegten Hände kann auf unterschiedliche Weise interpretiert werden.
Im Yoga begegnet sie uns als Anjali Mudra.
Hier treffen rechte und linke Hand vor dem Herzraum aufeinander – symbolisch auch weibliche und
männliche Energie, kühlende und feurige Kraft. Gegensätze verbinden sich: rechts und links,
aktiv und passiv, Sonne und Mond, Verstand und Intuition.
Das Zusammenführen der Hände vor dem Herzen – der Mitte unseres Seins – schafft Ausgleich und Balance zwischen diesen Polaritäten. Es zentriert und bringt uns zurück in die friedvolle, freundliche Energie
unseres Herzens.
Ist das vielleicht der Grund, warum viele Menschen beim Aneinanderlegen der Hände spontan ein Gefühl innerer Ruhe und Ausgeglichenheit verspüren?
Anjali Mudra und Namaste beschreiben im Yoga letztlich die Essenz der Praxis: in Verbindung mit dem wahren Selbst zu kommen, mit dem Göttlichen in uns selbst – die eigene Stärke wieder spüen – sich Selbst spüren und dies auch im anderen Menschen zu erkennen.
In Indien und Nepal ist Namaste der alltägliche Gruß zwischen Menschen – bei Hindus ebenso wie bei Buddhisten. Welch tiefer Respekt und welche Ehrerbietung in diesem Gruß liegen.
Doch Namaste ist weit mehr als eine Begrüßung. In diesem einen Wort steckt eine ganze Philosophie:
Jeder Mensch trägt etwas Göttliches in sich, ein Licht, eine besondere Essenz, etwas das ihn einzigartig macht.
Wenn ich jemanden mit Namaste begrüße, anerkenne ich damit nicht nur mein Gegenüber,
sondern erinnere mich zugleich daran, dass auch ich selbst diese göttliche Essenz, Einzigartigkeit
in mir trage – oder, wie man im Yoga sagen würde: das wahre Selbst.
Ob den Menschen in Nepal diese tiefere Bedeutung beim Grüßen immer bewusst ist?
Ich habe sie nie gefragt.
Doch ich frage mich:
Was geschieht, wenn ich meinem Gegenüber viele Male am Tag bewusst innerlich sage:
„Das Göttliche in mir grüßt das Göttliche in dir.“
Verändert sich dadurch mit der Zeit meine Wahrnehmung?
Meine Sicht auf mich selbst – aber auch auf andere?
Sehe ich mein Gegenüber dann zuerst als Mensch mit einer besonderen Essenz?
Mit dem, was Buddhisten vielleicht Buddha-Natur nennen würden?
Seit ich mich intensiver mit der Bedeutung von Namaste beschäftige, erkläre ich diesen Gruß zu Beginn meiner Yogastunden, wenn neue Teilnehmer dazukommen.
Mir ist es wichtig, dass uns die tiefe Aussage und die Essenz unseres Seins,
die in diesem Wort verborgen liegt, bewusster werden.
Doris Iding hat in der Yoga aktuell, Heft 1/2024, einen inspirierenden Artikel zu diesem Thema geschrieben. Darin geht sie der Frage nach, warum wir in der westlichen Welt unsere wahre Identität, unseren göttlichen Wesenskern, so häufig vergessen. Stattdessen richten wir unseren Blick oft zuerst auf unsere Schattenseiten,
auf das, was uns fehlt oder nicht gelingt. Kurzum, wir konzentrieren uns eher auf das Negative.
Wie viel schöner wäre es, den Fokus zuerst auf das zu lenken, was bereits gut ist – auf das Positive, Liebenswerte und Helle in uns.
Vielleicht würde es uns dann auch leichter fallen, genau das zuerst in anderen Menschen wahrzunehmen.
Kürzlich habe ich in unserer Sprachgruppe meine Gedanken zu Namaste auf Spanisch geteilt und anschließend in die Runde gefragt:
Was würde passieren, wenn sich Menschen mit unterschiedlichen Meinungen vor einer Diskussion
zunächst mit Namaste begrüßen würden?
Wie könnten Begegnungen zwischen Politikern verlaufen, die sich feindlich gegenüberstehen?
Was würde geschehen, wenn selbst Soldaten diesen Gruß mit echter Bewusstheit anwenden würden?
Wie friedvoll könnte eine Welt sein, in der Menschen sich der Bedeutung von Namaste wirklich bewusst
wären, wenn sie dieses Wort aussprechen?
Diese Frage führte zu lebhaft – heiteren Diskussionen.
Was denkt ihr darüber?
Kann ein gesprochenes Wort tatsächlich etwas verändern?
Ich glaube: ja.
Denn im Negativen erleben wir es genauso. Wenn ich jemanden beleidige, verändert sich etwas.
Wenn ich einem Menschen etwas Freundliches sage, ebenso.
Da ich die Yogaphilosophie gern ins 21. Jahrhundert übersetze, formuliere ich die Frage noch einfacher:
Könnte ein respektvoller, bewusst ausgesprochener Gruß zu mehr Achtung und Respekt
zwischen den Menschen führen?
Bin ich, wenn ich ausgeglichen und in meiner Mitte bin – beispielsweise durch Anjali Mudra –
auch in meinem Verhalten anderen gegenüber ausgeglichener?
Kann ich dann leichter das Schöne und Positive wahrnehmen?
Ich selbst spüre, wie sich mein gesprochenes Namaste zu Beginn einer Yogastunde inzwischen immer klangvoller, vibrierender und herzöffnender anfühlt.
Die tiefe Bedeutung von Namaste habe ich übrigens von meinen Kindern in Nepal gelernt.
Sie waren es, die mir erklärt haben, dass Respekt und Achtung in diesem einfachen Wort liegen.
Ich glaube nicht, dass ein herzliches, bewusst gesprochenes Namaste sofort die große Welt verändert – so schön dieser Gedanke auch ist.
Aber unsere kleine Welt, die Menschen und Begegnungen, die uns täglich berühren, ganz bestimmt.
In diesem Sinne: ein herzliches Namaste.
Deine Sabine





Liebe Sabine, das sind sehr spannende Gedanken, gerade in der aktuellen politisch und gesellschaftlich sehr unruhigen Zeit. Ich glaube dass es ein von Herzen gemeintes Namaste etwas kleines bewirken könnte- bei Menschen die dafür empfänglich sind, weil sie Empathie besitzen. Bei allen anderen wird es wohl weder wahrgenommen noch zurückgegeben. Ich fürchte dass die empathischen Menschen leider in der Minderheit sind, erst recht bei denen mit Macht.
Liebe Angela, herzlichen Dank für deinen Kommentar. Ja, es ist schwer sich vorzustellen, dass ein freundlicher Gruss / ein Namaste bei Menschen mit Macht etwas bewirkt.
Ich denke aber, lass uns im Kleinen beginnen. Irgendwie bin ich ja immer Optimist und stelle mir vor, dass sich das Positive, Menschliche, Gute am Ende doch durchsetzt.
Da du ja auch Yogini bist, vielleicht müssen wir erst durch die Geburtswehen vom Sattya Zeitalter hindurch, um dann wirklich in einer friedvolleren Welt anzukommen.
Zudem denke ich tatsächlich, wenn niemand mehr am Krieg verdient, wäre er schnell vorbei. Und hier kann jeder von uns beginnen: keine Aktien von Boeing, Rheinmetall etc. Keine Fonds von Blackrock, State Street, Vanguard etc.
Es wäre eine Chance. Liebe Grüße